WordPress · Entscheidungshilfe
WordPress selbst pflegen oder betreuen lassen?
WordPress läuft erst einmal von allein. Genau das ist die Falle: Solange die Seite lädt, sieht alles gut aus, und die Frage nach der Pflege stellt sich niemand. Sie stellt sich später, meistens an einem ungünstigen Tag.
Selbst machen oder abgeben ist keine Frage von Kompetenz, sondern von Zeit, Regelmäßigkeit und Haftung. Hier steht, was Pflege konkret bedeutet, wie viel Zeit das kostet und woran Sie merken, dass Sie besser abgeben.
- Pflege ist keine einmalige Sache, sondern ein Rhythmus. Genau daran scheitert Selbermachen meistens.
- Realistisch sind ein bis zwei Stunden im Monat, wenn nichts passiert. Wenn etwas passiert, ist es ein ganzer Tag.
- Selbst machen ist sinnvoll bei kleinen Seiten ohne Shop, mit wenigen Plugins und mit jemandem im Haus, der es zuverlässig macht.
- Abgeben lohnt sich, sobald die Seite Umsatz bringt, ein Shop oder Formulare mit personenbezogenen Daten laufen oder niemand die Verantwortung wirklich übernimmt.
- Die teuerste Variante ist die dritte: es sich vornehmen und dann doch nicht tun.
Was Pflege bei WordPress eigentlich heißt
Viele denken bei Wartung an den Update-Knopf im Backend. Der ist ein Teil davon, aber der kleinste. Was tatsächlich anfällt, lässt sich in fünf Blöcke sortieren – und keiner davon ist besonders schwierig, alle sind nur unbequem regelmäßig.
| Aufgabe | Wie oft | Was dabei schiefgehen kann |
|---|---|---|
| Updates von WordPress, Theme und Plugins | zwei- bis viermal im Monat | Ein Plugin verträgt die neue Version nicht, die Seite bleibt weiß oder das Layout verrutscht |
| Backups anlegen und prüfen | fortlaufend, Prüfung monatlich | Das Backup liegt auf demselben Server oder lässt sich im Ernstfall nicht zurückspielen |
| Sicherheit im Blick behalten | laufend | Eine bekannte Lücke bleibt wochenlang offen, weil niemand hinsieht |
| Funktionsprüfung nach Updates | nach jedem Update | Das Kontaktformular verschickt seit Wochen nichts, gemerkt hat es niemand |
| Aufräumen: Datenbank, alte Plugins, Medien | vierteljährlich | Die Seite wird langsam, ohne dass ein einzelner Grund erkennbar ist |
Der vierte Punkt ist der, den fast alle auslassen. Ein Update einzuspielen dauert zwei Minuten. Danach zu prüfen, ob Formular, Shop, Buchungskalender und mobile Ansicht noch tun, was sie sollen, dauert länger als das Update selbst. Wird das übersprungen, merkt man Fehler erst, wenn ein Kunde sich beschwert – oder eben nicht beschwert, sondern weiterzieht.
Wie viel Zeit das realistisch kostet
Für eine übliche Firmenseite mit zehn bis fünfzehn Plugins, ohne Shop: ein bis zwei Stunden im Monat, wenn nichts Besonderes passiert. Mit Shop eher das Doppelte, weil mehr Erweiterungen im Spiel sind und jedes Update mehr Funktionen berührt.
Diese Zahl täuscht aber, weil sie den Normalfall beschreibt. Interessant ist der Ausnahmefall: Wenn ein Update die Seite zerlegt, sind Sie mit Fehlersuche, Wiederherstellung und Nacharbeit schnell bei einem halben bis ganzen Arbeitstag. Und dieser Tag sucht sich seinen Termin nicht aus. Er fällt auf den Freitagnachmittag vor dem Urlaub oder auf den Tag, an dem die neue Kampagne startet.
Nicht das Selbermachen ist das Problem, sondern das Vornehmen. Die Seiten, die mir am häufigsten auf den Tisch kommen, sind nicht die ungepflegten von Anfang an, sondern die, bei denen jemand ein halbes Jahr lang gewissenhaft war und dann etwas dazwischenkam. Vierzehn Monate ohne Update sind kein bisschen sicherer als vierzig – aber die Reparatur kostet mehr als die Pflege gekostet hätte.
Wann Selbstpflege sinnvoll ist
Es gibt gute Gründe, das selbst zu machen, und es funktioniert auch – unter Bedingungen, die man vorher ehrlich prüfen sollte:
- Die Seite ist überschaubar. Ein paar Unterseiten, ein Kontaktformular, keine Zahlungsabwicklung, wenige Plugins.
- Es gibt eine feste Person. Nicht „das macht bei uns irgendwie die Marketing-Abteilung“, sondern ein Name mit einem festen Termin im Kalender.
- Sie haben Zugriff auf alles. Hosting, FTP, Datenbank, Domain – und die Zugangsdaten liegen nicht nur bei der Agentur, die die Seite vor sechs Jahren gebaut hat.
- Ein Ausfall tut nicht weh. Wenn die Seite zwei Tage nicht erreichbar wäre und Ihnen dadurch kein Auftrag verloren geht, ist der Druck klein genug.
- Es gibt eine Testumgebung. Viele Hoster bieten Staging kostenlos an. Wer größere Updates dort vorher einspielt, hat den Großteil des Risikos erledigt.
Treffen alle fünf Punkte zu, sparen Sie mit Selbstpflege echtes Geld. Treffen drei zu, wird es wackelig.
Wann Sie besser abgeben
Umgekehrt gibt es Situationen, in denen Selbstpflege nicht am Können scheitert, sondern an der Konstruktion:
- Die Seite bringt Umsatz. Shop, Buchungen, Anfragen als Hauptvertriebsweg. Jeder Ausfalltag kostet dann mehr als die Betreuung im Monat.
- Es laufen personenbezogene Daten darüber. Formulare, Kundenkonten, Newsletter. Eine bekannte Sicherheitslücke wochenlang offen zu lassen, ist nicht nur ein technisches, sondern auch ein rechtliches Problem.
- Niemand fühlt sich zuständig. Wenn auf die Frage, wer zuletzt ein Update gemacht hat, drei Leute auf jeweils einen anderen zeigen, ist die Antwort: niemand.
- Sie wollen nicht wissen, was ein Cronjob ist. Das ist eine völlig legitime Haltung. Sie ist nur mit Selbstpflege nicht vereinbar.
- Es ist schon einmal schiefgegangen. Wer bereits eine weiße Seite oder einen Hack hinter sich hat, kennt die Rechnung und stellt die Frage meist nicht mehr.
Was Sie beim Abgeben verlangen sollten
Betreuung ist kein geschützter Begriff. Es gibt Angebote, bei denen ein Skript nachts alles automatisch aktualisiert und niemand hinterher hinsieht. Das ist billiger und im Zweifel wertlos. Fragen Sie diese fünf Dinge ab, bevor Sie unterschreiben:
- Wird nach dem Update jemand nachsehen? Sichtprüfung der wichtigsten Seiten und Funktionen, nicht nur „Status grün“ aus einem Dashboard.
- Wo liegen die Backups und wie lange? Extern, nicht auf demselben Server, und mit einer klaren Aufbewahrungsfrist.
- Wer zahlt, wenn ein Update etwas kaputt macht? Die Antwort muss lauten: der Betreuer. Sonst tragen Sie das Risiko und zahlen trotzdem monatlich.
- Was ist enthalten und was nicht? Kleine Textänderungen, neue Seiten, Designanpassungen – das sind drei verschiedene Dinge, und sie gehören nicht automatisch in dasselbe Paket.
- An wen schreiben Sie im Ernstfall? Ein Ticketsystem mit unbekanntem Bearbeiter ist etwas anderes als eine Person, die Ihre Seite kennt.
Die Kostenfrage ehrlich gerechnet
Der Vergleich „Betreuung im Monat gegen null Euro für Selbermachen“ geht nicht auf, weil Selbermachen nicht null kostet. Rechnen Sie Ihre eigene Zeit zu dem Satz, zu dem Sie Ihre Arbeit sonst verkaufen, und legen Sie die Kosten für den Ernstfall daneben: Eine Hack-Bereinigung oder eine Wiederherstellung nach einem misslungenen Update ist in aller Regel teurer als ein ganzes Jahr Betreuung.
Der Punkt ist nicht, dass Betreuung immer die günstigere Wahl wäre. Bei einer kleinen, ruhigen Seite mit jemandem im Haus, der es zuverlässig erledigt, ist sie es nicht. Der Punkt ist, dass die Rechnung nur dann stimmt, wenn Sie die eigene Zeit und das Risiko mit einsetzen – und nicht so tun, als wäre beides umsonst.
Wie ich das mache
Ich spiele Updates nicht automatisch nachts ein. Ich sehe vorher, was sich ändert, sichere den Stand extern, spiele gestaffelt ein und prüfe danach die Seite: Lädt sie, sieht sie aus wie vorher, kommt die Formularmail an, ist der Shop erreichbar.
Geht dabei etwas kaputt, bringe ich es in Ordnung – in jedem Paket, auch im kleinsten, ohne Zusatzrechnung. Was sich zwischen den Paketen unterscheidet, ist nicht die Sicherheit, sondern wie viel Änderung an Inhalt und Gestaltung mit drin ist. Was in welchem Paket steckt, steht auf der Seite zur Betreuung im Detail.
Wenn Sie selbst pflegen wollen, es aber nie zum Aufräumen kommt: Ein einmaliger Durchgang, bei dem alles auf Stand gebracht, entrümpelt und dokumentiert wird, ist oft die bessere erste Investition als ein Vertrag. Danach können Sie in Ruhe entscheiden.
Hilfe anfragen
Unsicher, was für Ihre Seite passt?
Schreiben Sie mir kurz, was Sie haben – Seitengröße, Shop ja oder nein, wer sich bisher gekümmert hat. Ich sage Ihnen ehrlich, ob sich Betreuung für Sie lohnt oder ob ein einmaliges Aufräumen reicht.
Weitere Anleitungen und Einschätzungen finden Sie im Ratgeber.